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letzte Aktualisierung
10.04.2017

Bericht über eine Kontrollreise nach Vietnam im März 2017

Vom 01.-14. 03. 2017 besuchte Gerd Willkommen die Projekte in der Provinz Thua Thien Hue. Außerdem reiste Norbert Franke, Mitglied von Courage e.V. mit, der für eine Frau in Huong Van die Patenschaft übernommen hat und diese das erste Mal kennenlernen wollte. Zwei Tage später kam Dr. Jörg Fröbel nach, der überall als möglicher Nachfolger von Gerd Willkommen vorgestellt wurde.

  • Das Hauptaugenmerk galt der Vorbereitung und dem Abschluss eines Partnerschaftsvertrages mit einer Gruppe der Frauenunion im Kreis Huong Tra. Das eröffnet Courage e.V. erstmals die Möglichkeit, Fördergelder vom BMZ zu beantragen. Auf der Grundlage der Vorbereitung durch den Vorsitzenden und Jörg Fröbel sowie dank der Arbeit einer qualifizierten Übersetzerin aus Hanoi ist es gelungen, unser Anliegen der Frauenunion im Kreis Huong Tra zu verdeutlichen und einen beiderseits akzeptierten Vertragstexts auszuhandeln und am Ende unseres Aufenthaltes den Vertrag zu unterzeichnen. Durch Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung mit einer Gruppe in der Frauenunion des Kreises Huong Trà wurde die Grundlage für den beabsichtigten Antragsprozess von Fördergeldern vom BMZ/Bengo für 30 vietnamesische Frauen geschaffen.


    Frau Thuyet, Vorsitzende der Frauenunion von Huong Tra, und Gerd Willkommen, Vorsitzender von Courage e.V., unterzeichneten den Partnerschaftsvertrag am 13.03.2017.

  • Die im vergangenen Jahr ausgeführten Projekte in Huong Toan und Huong Chuong wurden besucht. Die Resultate der Frauen, die vor 14 Monaten ihre ersten Ferkel erhielten, sind beeindruckend. In den meisten Ställen, die wir besucht haben, sind drei Muttersauen. Ein Teil der inzwischen geborenen Ferkel war bereits verkauft worden; der andere Teil wird groß gezogen und dann bei einem Gewicht von ca. 60kg verkauft. Diesen Prozess gestalten die Frauen individuell. Es ist zu erkennen, dass die Frauen bemüht sind, einen guten Verdienst durch effektive Schweinezucht zu erzielen.

  • Eine Frau in Huong Toan hat ihre ersten Schweine groß gezogen und verkauft. In den drei Stallsegmenten standen dennoch drei Muttersauen. Vom Erlös hat sie einen in der Nähe liegenden Fischteich gepachtet, um sich eine weitere Einkommensquelle zu erschließen.

     

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  • Als Futter dienen vielfach Pflanzen, die die Frauen in öffentlichen Gewässern ohne finanziellen Aufwand ernten können. Andere nutzen das eigne Land zum Maniokanbau oder raspeln Bananenstauden und schließen diese anschließend durch Kochen auf.

  • Mit dem Verkauf von nur einem Ferkel wird die vom Staat angesetzte Armutsgrenze von einem Mindesteinkommen mit 570.000 VND pro Monat bereits doppelt überschritten. Eine besuchte Frau hat im vergangenen Jahr mit dem Verkauf einer von drei Muttersauen 21 Mio. Vietnamesische Dong erzielt und damit 38 Mal die Armutsgrenze (für einen Monats) überschritten.

  • Wir haben auch gesehen, dass eine geistig behinderte Frau nicht vollständig in der Lage war, die gegebene Chance zu nutzen und mit der Hygiene im Schweinestall überfordert war. Es fiel Frau Hien schwer einzusehen, dass sie diese Frau besser nicht in das Projekt aufgenommen hätte und dafür jemand auswählt hätte, die die gebotene Chance besser nutzen kann. Hier zeigt sich ein ständiger wiederholender Konflikt des Abwägens, den Frau Hien mit sich auszufechten hat. Sie möchte möglichst allen helfen, gerade und besonders den Benachteiligten. Das aber übersteigt die finanziellen Möglichkeiten von Courage e.V. Gerade weil wir nur ein geringes Budget zur Verfügung haben, sind wir besonders um einen effektiven Finanzeinsatz bemüht, was uns in der Regel auch gelingt.

  • Jörg Fröbel wurde bei allen maßgeblichen Personen und Institutionen als möglicher zukünftiger Vorsitzender von "Courage e.V." vorgestellt. Die Entscheidung ist letztlich eine Angelegenheit, die die Mitgliederversammlung zu entscheiden hat. Wichtig ist auch, dass Jörg Fröbel und Frau Hien das gegenseitige Verstehen ausweiten. Der Wille wurde beiderseits in der Praxis bestätigt. Die Abrechnung der ausstehenden Finanzen für das vergangene Finanzjahr wurde von Jörg Fröbel gemeinsam mit Frau Hien bereits vorgenommen.

  • Das Mitglied von Courage e.V., Norbert Franke, war mitgereist, um die Frau kennenzulernen, die er seit ca. drei Jahren in vielerlei Hinsicht finanziell unterstützt, d.h. für die er an Courage gespendet und für die unsere Vertreterin vor Ort alles arrangiert hat (z.B. Hausbau, Biogas-Anlage etc.). Frau Huong ist taub, und während unseres Aufenthaltes wurde sie auf Kosten von Norbert Franke zu einem HNO-Arzt geschickt. Der konstatierte, dass Frau Huong auch mit einem Hörgerät nicht in der Lage sein würde, Gespräche wahrzunehmen. So bleibt ihr nur das Erlernen der Gebärdensprache. Die Bedingungen dafür sind noch zu prüfen.
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Die zweite Aktivität außerhalb des direkten Schweineprojektes war die Unterstützung einer jungen Witwe mit zwei Kindern, Frau Hue, die nach dem Tod des Ehemannes aus dem Haus ihrer Schwiegermutter hinausgedrängt wurde. Ein Spender aus Deutschland hatte gemeinsam mit vietnamesischen Organisationen den Neubau eines Hauses finanziert und weitere Unterstützung zugesagt. Sie ist bereits in das Haus eingezogen. Frau Hue würde gerne einen Getränke-Kiosk eröffnen, weil ihr Haus unmittelbar an der übergeordneten Landstraße liegt.

Bei diesem Besuch wurde außerdem durch Vergleich mit anderen NGO sichtbar, dass unsere einzige Angestellte, Frau Ton Nu Thi Hien, in ihrer Funktion unterbezahlt ist. Andere Personen in ihrer Funktion erhalten das Dreifache, weshalb ich vorschlage rückwirkend ab 01.01.2017 Frau Hien 300 € Gehalt pro Monat zu zahlen. Ihre bisherigen Leistungen und ihr Engagement rechtfertigen diesen Vorschlag.

Die Mitglieder von Courage bitte ich um ein Feedback, insbesondere zum Vorschlag auf Gehaltserhöhung und zum Antrag auf Fördermittel. Wenn sich jemand nicht äußert, würde ich das als Zustimmung werten.


Gerd Willkommen                                                                               Erzhausen, am 21.03.2017
Vorsitzender Courage e.V.

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