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letzte Aktualisierung
08.05.2015


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Bericht zur Kontrollreise nach Zentralvietnam im April 2015

Besuch in Huong Van und Quang Thai

Am 02. und 03. April besuchten Frau Hien und ich die beiden obigen Gemeinden. Aufgrund der außergewöhnlichen Hitze (39° bis 41°C) wurde die Anzahl der zu besuchenden Frauen stark reduziert. Die Ergebnisse in beiden Gemeinden sind sehr gut. Von 13 Frauen in Quang Thai, die Mitte 2014 ihre Ferkel erhielten, haben inzwischen schon zehn zwei oder drei Muttersauen und entsprechend Ferkel im Stall, so dass Courage aus Umweltschutzgründen für den Bau von Biogasanlagen zu sorgen hat. Zwei haben schon eine Biogas-Anlage erhalten. Bei den verbleibenden Frauen werden wir in diesem Jahr wir 6-8 Biogas-Anlagen nachrüsten müssen.


pro Tier mehr als 110 € Erlös

Futteranbau im Garten erhöht den Ertrag

Blick in beide Stallteile

 
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Mich freut immer wieder, welche Summen die Frauen erlösen. Wir haben bei allen lediglich 350 € investiert.

Welchen Stellenwert ein Schwein für die Projektfrauen einnehmen kann, zeigt das folgende Beispiel, das sich mir besonders eingeprägt hat: Die Frau (ganz links auf dem Foto) hat ihre trächtige Sau mehr als 20 Tage mit einem großen Löffel gefüttert, weil diese wegen eines Abszesses an der Vorderpfote nicht zum Trog laufen konnte. Erst der dritte Veterinär war in der Lage, Besserung einzuleiten, so dass am Tage unseres Besuches die Sau zum Trog humpeln bzw. sich auf den Knien bewegen konnte.

Auf dem Areal der heutigen Gemeine Quang Thai und des angrenzenden Distrikts Phuong Dien befand sich während des Vietnamkrieges das Camp Evans – Ziel und Ausgangspunkt zahlreicher militärischer Kämpfe in den Jahren 1968 bis 1972. Einige Frauen können sich an die Wirren in diesen Jahren und an die Hungerjahre nach dem Krieg erinnern. In dieser Zeit hatten junge Frauen im heiratsfähigen Alter kaum Chancen, eine Familie zu gründen. Viele finden heute im Courage-Projekt eine Möglichkeit, durch selbstständige Arbeit ihr Leben zu gestalten. In dieser Gruppe von Frauen in unserem Projekt gibt es viele starke, zupackende Charaktere.


Wenn Frau Xiem diese Schweine verkauft,
beträgt der Erlös mindestens 900 €

Das ist schon die nächste Generation,
die in ca. drei Monaten verkauft werden kann

mit der Biogas-Anlage installiert Courage auch eine der hochbegehrten Innentoiletten







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Frau Xiem ist vor zwei Jahren ins Projekt gekommen. Wie alle hat sie drei Ferkel und einen Schweinestall als Anschubfinanzierung erhalten. Sie hat jetzt zwischen 20 und 30 Tiere in mehreren Ställen. Sie hält diese sehr sauber und bereitet auch das Futter für ihre Schweine gut auf. Für sie musste bereits eine Biogas-Anlage installiert werden, um der Menge der anfallenden Gülle Herr zu werden.

In diesen beiden Kommunen gibt es eine enge Kooperation mit der Verantwortlichen der Frauenunion. Das ist eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit.


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Besuch in Loc Thuy

Am 07.04.2015 besuchten wir Loc Thuy. Die Kommune liegt beiderseits der einzigen direkten Nord-Süd-Straßenverbindung, an der Nationalstraße 1.

2014 hatten wir in Loc Thuy 25 Brunnen zwischen 25 und 40 m tief bohren lassen, um den Frauen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser zu verschaffen, obwohl nur 10 Brunnen vorgesehen waren. Hier hat sich unsere Vertreterin vor Ort vehement dafür eingesetzt, mehr Frauen zu helfen. Die Kommune hatte bei zunehmender Trockenheit mit steigendem Alaungehalt des Oberflächenwassers zu kämpfen. Viele Bewohner holten ihr Trinkwasser aus Bächen, die direkt aus den Bergen kamen. Für Schweinehaltung sind das denkbar schlechte Bedingungen. Unsere Brunnen hatten dann großes öffentliches Aufsehen erregt. Damit wurde aber ein großer Teil des Zweijahresbudgets für Loc Thuy schon aufgebraucht, so dass die Ausgaben an anderer Stelle reduziert werden müssen.

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In einem Gespräch mit der Stellvertreterin der örtlichen Vertretung der Frauenunion legten wir dar, dass die Ergebnisse der Schweinehaltung in Loc Thuy einem Vergleich zu anderen Kommunen nicht standhalten können. Die Gemeinde steht wegen der ungünstigen Lage in der Regenzeit oftmals unter Wasser, was dazu führt, dass insbesondere die schweren Tiere ertrinken und dass eine Futterernte im eigenen Garten für lange Zeit ausfällt. Auf zwei höher gelegenen Grundstücken sind die Schweineställe auf einem Plateau angelegt worden. Diese beiden Frauen baten um eine Erweiterung ihrer Ställe, damit sie mehr Tiere halten können. Das wurde ihnen sofort zugesagt. Für 2015 steht dieses Geld aus dem Zweijahresbudget noch zur Verfügung.

Am Ende wurde eingeschätzt, dass bis auf Ausnahmen die Schweinezucht in Loc Thuy und im Kreis Phu Loc insgesamt nicht weiter unterstützt werden kann. Weitere Investitionen werden seitens Courage nicht vorgenommen.

Mir persönlich tut es für die engagierte Vertreterin der Frauenunion in der Gemeinde Loc Thuy, Kreis Phu Loc leid, dass ihr Engagement und ihre persönliche Anteilnahme für die Frauen, nicht dauerhaft erfolgreich waren. Courage ist hier überfordert. Hier kann nur der vietnamesische Staat Veränderungen erwirken.

Die Verantwortliche der Frauenunion in der Kommune Loc Thuy und der Stellvertretende Gemeinderatsvorsitzende plädierten für ein Pilzzucht-Projekt, wie es bereits von einem buddhistischen Kloster im Ort praktiziert wird. Meiner Bitte, dieses besichtigen zu können wurde stattgegeben und wir konnten die Anlage besuchen.

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In einer der abgeteilten Produktionsstätten hängen 1.000 Beutel mit Nährboden für die Pilze, vermischt mit Pilzkulturen. Nach drei Monaten können über einen kurzen Zeitraum die Pilze geerntet werden. Danach sind die Beutel neu zu füllen. Es sind der klimatischen Bedingungen wegen nach Aussagen des Verantwortlichen nur zwei Ernten pro Jahr möglich. Da die reifen Pilze fast zur gleichen Zeit verkauft werden müssen, ist der Vertrieb bzw. der Absatz schwierig. In der Gemeinde äße niemand die teuren Pilze, meinte der Arbeiter. In der Nähe gäbe es nicht genug Hotels und renommierte Gaststätten, so dass sich der Absatz / Verkauf sehr schwierig gestalte. Die Pilzzucht wird vom buddhistischen Kloster betrieben, weil die Mönche traditionsgemäß viele Pilze essen. Allerdings verfügen sie kaum über Erfahrung, weil die Anlage erst seit einem halben Jahr betrieben wird.

Größere Abnehmer gäbe es nur im 45 km entfernten Hue. Dass zur gleichen Zeit fast alle Pilze geerntet und verkauft werden müssen und kein wirklicher Markt vorhanden ist, spricht gegen die Einführung der Pilzzucht. Courage hat vor Jahren in Kambodscha ein Pilzprojekt betreut, das daran und dass vom Verkaufserlös auch der Kauf der neuen Füllungen realisiert werden muss, gescheitert ist.

In der übergeordneten Kreisdirektion der Frauenunion in Phu Loc hatten die Vorsitzende und ihre Stellvertreterin auch die Einführung eines Pilzzucht-Projektes vorgeschlagen. Obwohl sie diese Idee schon mehrfach erwogen hatten, waren sie noch nicht darauf gekommen, eine Einschätzung der Verkaufschancen vorzunehmen.




Gerd Willkommen                                                                               Erzhausen, am 25.04.2015
Vorsitzender Courage e.V.

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