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letzte Aktualisierung
03.02.2014


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Bericht zu einer Kontrollreise nach Vietnam

Der Vorsitzende, Gerd Willkommen, unternahm die jährliche Kontrollreise nach Zentralvietnam in der Zeit vom 15. bis 28. Februar 2013. An den ersten drei Tagen nahmen außerdem die Kassenwartin, Frau Nguyen Thi Bich Van, sowie Frau Thanh an den Ortsterminen teil.

Die Besuche begannen in der Gemeinde Binh Thanh, in der der Vorsitzende vor ca. 10 Jahren das Gelände der Grundschule und die Kindergärten auf Blindgänger kontrollierte und mit dem Survey die nachfolgende Munitionsräumung vorbereitete. Exakt auf diesen Flächen wurden viele allein stehende Frauen, die auch aus anderen Gemeinden, z.B. Duong Hoa, kamen, angesiedelt.

In die engere Auswahl für unser Projekt kamen 69 unterhalb der Armutsgrenze lebende allein stehende Frauen. Sie wurden alle von unserer Vertreterin vor Ort besucht. Davon wurden 56 ausgewählt und in den Jahren 2009 bis 2012 in unser Projekt aufgenommen. 75% haben die Chance wahrgenommen und die Armutsgrenze, zum großen Teil sogar ganz erheblich, überschritten. Davon betreiben 13 Frauen regelrechte Schweinezucht in größerem Stil. Sie sind selbständig und bedürfen keiner Unterstützung durch Courage e.V. mehr. Im Grunde wurde in Binh Thanh allen allein stehenden, bedürftigen Frauen geholfen. 14 Frauen waren psychisch und körperlich nicht in der Lage, die angebotene Chance aktiv zu nutzen und konnten den körperlichen Anforderungen der schweren Arbeit auf Dauer nicht standhalten. Einige halten noch ein Schwein, mit dem Verkaufserlös können sie sich Sonderwünsche erfüllen.

Das Beispiel zeigt, dass wir konsequenter unsere Auswahlkriterien berücksichtigen müssen. Der Vorsitzende hat nicht nur im Gemeindevorstand von Binh Thanh deutlich ausgesprochen, dass Courage mit dem geringen Budget nicht für Alte, Kranke und Schwache aufkommen kann. Das ist und bleibt die Aufgabe des vietnamesischen Staates und dessen Institutionen. Hier unterscheiden sich unsere Ziele von denen der Frauenunion deutlich. Unser Ziel ist nicht die Hilfe an sich, sondern das Erreichen von Nachhaltigkeit in den Ergebnissen.

Im Jahre 2011 hat Courage e.V. in der Kommune Huong Van 13 Frauen mit je drei Ferkeln, Stall und Kraftfutter eine Anschubfinanzierung gegeben. Alle Frauen sind noch dabei. Zwei mussten aus Umweltschutzgründen zusätzlich mit einer Biogas-Anlage ausgerüstet werden.


Die Muttersau von Frau Lien in Binh Thanh

Schweine, die zum Verkauf vorgesehen sind

Futteranbau im Garten

Pfefferpflanzen in ihrem Garten
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Frau Lien in Binh Thanh (siehe Fotos oben) erhielt 2011 ihre ersten Ferkel und hat inzwischen schon mehrfach verkauft. Da sie immer viele Tiere im Stall hat, finanzierte ihr Courage eine Biogasanlage. Sie ging und geht noch immer in den Wald und sammelt Holz für Küchenfeuer, das sie für ein sehr geringes Entgelt verkaufen kann. Sie hat Pfeffer angepflanzt und erntet nun schon, allerdings mehr für den Naturalientausch. Im großen Stil kann sie Pfeffer nicht verkaufen, da sie zu wenige Stützbäume für die Pfefferpflanzen hat. Die Palette ihrer Einkünfte wurde durch die Schweinezucht beträchtlich erweitert.

In Loc Thuy sind 70% der Frauen der Armut entkommen. Unter ihnen Huyen Thi Phuong (38, 2 Söhne). Ihr Mann hatte sie vor Jahren verlassen und lebt in Laos mit einer anderen Frau zusammen. Seit fünf Jahren sind sie offiziell geschieden. Seitdem schickt er kein Geld mehr für die zwei Kinder. Zum traditionellen Neujahrsfest im Februar 2013 hat er sich wieder sehen lassen. Das neue, schicke Haus hat ihm gefallen, so dass er sich entschieden hat, wieder einzuziehen. Gefragt hat er nicht. Frau Huyen ist es schwer gefallen, ihn wieder loszuwerden. Er wollte einfach nicht ausziehen. Erst nach Tagen ist es ihr gelungen. Nun ist er wieder in Laos. Wegen der jährlich zu erwartenden Überflutung in der Taifun-Saison züchtet sie keine Schweine, sondern kauft Ferkel, mästet sie und verkauft sie wieder.


Das neue Haus, erbaut mit Mitteln aus der Schweinezucht, vom Staat und einer japanischen NGO

Huyen Thi Phuong (38, 2 Söhne)

Mit der Biogasanlage entsteht nicht nur eine sofort verfügbare Energiequelle im Haus, sondern auch eine Innentoilette, wie auf den Fotos zu sehen ist

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Ergebnisse

Alle Frauen haben zu Anfang nur drei Ferkel und einen Stall erhalten. Die nachfolgenden Bilder zeigen, was die Frauen innerhalb von zwei Jahren daraus gemacht und wie sie ihre Chance genutzt haben. Die Fotos zeigen, welche Kraft in den Frauen der Dorfarmut steckt und wie erfolgreich sie sein können, wenn ihnen die finanziellen Grundlagen zur Verfügung gestellt werden.

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Die Ergebnisse der Kontrolle zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Spendengelder effektiv und ergebnisorientiert einsetzen. Für unsere Vertreterin vor Ort ist es sehr schwer, die Auswahl der Frauen zu treffen, die für das Projekt geeignet sind. Oft sieht sie sich mit bitterer Armut, insbesondere bei älteren, kranken Frauen konfrontiert. Sie fühlt, dass man helfen muss, sie will helfen und tut dies mitunter auch mit eigenem Geld. Sie versteht aber, dass sie damit anderen Frauen einen Platz im Projekt verwehrt, die ihn erfolgreich ausfüllen könnten.

Die Kontrollen haben auch gezeigt, dass Frau Hien bei ausnahmslos allen Frauen, inklusive in der Frauenunion, hohe Wertschätzung genießt. Sowohl die Presse als auch das Fernsehen in Vietnam hat ihre Arbeit gewürdigt. Das letzte Interview hat sie am 04.03.2013 gegeben.

Die künftigen Aufgaben betreffende Schlussfolgerungen sind:

  • Die Arbeit in Binh Thanh ist abgeschlossen, weil es keine weiteren allein stehenden Frauen gibt, die in das Projekt einbezogen werden könnten. Es wird nur noch Monitoring geben.
  • In Thuy Bieu wird die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Sie ruht seit 2010, weil familiäre Bindungen in diese Gemeinde reichen. Wir wollen Frau Hien den Versuchen seitens des Gemeinderates, aufgrund familiärer Beziehungen Einfluss auf ihre Entscheidungen zu nehmen, nicht aussetzen.
  • Nach dem Wechsel der Vorsitzenden der Frauenunion in Quang Thai wird die Arbeit dort fortgesetzt. Vorgesehen ist eine Gruppe von 10 Frauen im Jahre 2013 zu unterstützen.
  • Gleiches gilt für die Kommune Loc Thuy. Dort soll geprüft werden, ob es machbar ist, Schweineställe auf aufgeschüttetem Erdreich zu bauen, damit sie Hochwasser standhalten und dort ebenfalls Muttersauen gehalten werden können. Somit könnte dann auch dort gezüchtet werden.
  • In Huong Van wird die Arbeit in der bisherigen Form mit einer weiteren Gruppe fortgesetzt.
  • Biogasanlagen werden nach Erfordernis und entsprechend unserer finanziellen Ausstattung weiterhin zur Verfügung gestellt.




Gerd Willkommen                                                                               Erzhausen, am 04.03.2013
Vorsitzender Courage e.V.

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