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letzte Aktualisierung
19.03.2013


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Bericht über den Kontrollbesuch zu den Courage-Projekten in Vietnam

Der Besuch in der Provinz Thua Thien Hue vom 30.3. bis 08.04.2012 galt der Kontrolle der Ergebnisse von 2011. Schwerpunkte waren die 2011 neu hinzugekommenen Frauen und die Biogas-Anlagen.

Hilfe für allein stehende Frauen: Im Jahr 2011 wurde insgesamt 61 Frauen in vier Kommunen geholfen. Je nachdem, in welchem Monat sie ins Projekt gekommen sind, haben sie mindestens einmal verkauft und bereits neue Ferkel erworben. Der Verkauf von einmal drei Tieren a 50 kg bringt einen Erlös von 270 bis 300 €. Damit sind die Frauen mit einem Schlag über die Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag gesprungen. Die Frauen, die im Sommer 2011 angefangen haben, konnten schon zwei bzw. drei Mal verkaufen. Von den 61 Frauen, die im Jahr 2011 von Courage e.V. unterstützt wurden, haben alle noch oder wieder drei Tiere im Stall.

Garten von Frau Chiem in Huong Van
Wenn eine Frau aus dem eigenen Garten Futter bereitstellen kann oder Wasserpflanzen sammelt und verfüttert, stärkt das ihren Gewinn. Andererseits wachsen die Schweine mit Kraftfutter, das auf dem Markt gekauft werden muss, schneller. Das wird ziemlich unterschiedlich gehandhabt; zwischen 40 und 70% Eigenproduktion werden verfüttert.

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Wenn die Ferkel die Zuchtanlage verlassen und an die Frauen übergeben werden, müssen sie auf "Diät" gesetzt werden, denn das Futterangebot unterscheidet sich beträchtlich. Deshalb gibt Courage e.V. noch für eine Übergangszeit Kraftfutter an die Frauen. Dennoch starben 2008 und 2009 einige Tiere rasch nach der Übergabe. Unter Berücksichtigung dieser Erfahrungen kauft Frau Hien nun schwerere Ferkel (15 kg). Die sind zwar teurer, aber gesundheitlich stabil genug, um den Sprung von der Zuchtanlage zu den Frauen schadlos zu überstehen. Courage e.V. hat dank der Soforthilfe von NfH (Networker for Humanity e.V., Heidelberg) 66 Tiere ersetzt, die während der Taifune im Herbst 2011 ertrunken waren.
In den ersten Jahren bestand eine regelrechte Aversion, eine Muttersau zu halten. Die wenigen, aber guten Beispiele haben inzwischen Schule gemacht. Mehr und mehr Frauen halten eine Muttersau, mit deren Ferkeln der Eigenbedarf gedeckt werden kann. Den Rest kann man verkaufen.
Gegen Ende des vergangenen Jahres stiegen die Preise für Ferkel bis zu 30%, was zur Verteuerung der Projektkosten führte. Gegen Ende des vergangenen Jahres erreichten die Preise für Ferkel einen Hochpunkt mit 150.000 VND (Vietnamesische Dong)/kg. Dies war allerdings ein Vorteil für Frauen, die schon länger im Projekt sind und um diese Zeit verkaufen konnten.
Die hohe Inflationsrate von über 20% machte sich ebenfalls in einem Anstieg der Kosten für das Projekt bemerkbar. Die Anhebung der Preise für Energie und Benzin schlägt bis zum Material für Biogasanlagen durch. Statt 11 Millionen VND müssen wir nun 14 Millionen VND für eine Biogasanlage aufbringen. (1,-€ z.Zt. 25.000,-VND)

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Biogas-Anlagen: Mit ihnen wurde ein starker Anreiz geschaffen, möglichst viele Schweine im Stall zu haben. Denn den Erfolgreichen wird eine Biogas-Anlage gebaut. Die ist allseits sehr begehrt und Courage e.V. hat nicht genug Geld, um alle Ansprüche zu erfüllen. Durch eine Biogas-Anlage ist ständig Gas/Energie zum Kochen auch sehr kurzfristig verfügbar, denn es muss nicht erst ein Holzfeuer entfacht werden. Zudem fällt der unangenehme Gülle-Geruch weg.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist das Toilettenhäuschen, das zur Biogas-Anlage gehört. Keine der Holzhütten oder auch neuen einfachen Steinhäuser hat eine Innentoilette, stattdessen wird diese Toilette (s. Bild) bei Wind und Regen benutzt.

Wer nicht genug Gülle hat, weil die Schweine gerade verkauft sind und neue noch nicht gekauft wurden, versucht alles, um die Biogas-Produktion aufrechtzuerhalten. Die Eine sammelt die Tier-Exkremente bei den Nachbarn, die Andere Pflanzenreste.

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Unser Kooperationspartner – die Vietnamesische Frauenunion: Für die Vietnamesische Frauenunion sind wir Partner, die genau auf dem Sektor arbeiten, für den sie verantwortlich ist: Armutsbekämpfung und Gleichstellung der Frauen im Alltagsleben. Die Verantwortlichen sind dankbar, dass wir uns um die allein stehenden, bedürftigen Frauen kümmern, denen wegen fehlender Bildung nur schwer geholfen werden kann. Z.B. war es den armen Singles nicht möglich, einen Kredit für ein Haus zu erlangen. Generell bezahlt die Vietnamesische Frauenunion 50% der Kosten für ein steinernes Haus, die anderen fünfzig Prozent müssen die künftigen Eigentümer aber selber aufbringen oder eben einen Kredit aufnehmen. Mit der Teilnahme an unserem Projekt sind die Frauen auf der Armutsliste kreditfähig geworden.
Im Gegenzug können wir die gesamte Infrastruktur der lokalen Frauenunion nutzen. Wir erhalten kostenlos Räume zur Aus- oder Weiterbildung der Frauen und die Listen mit den als arm eingestuften allein stehenden Frauen, die die Grundlage für unsere Auswahl darstellen. Die Verantwortlichen der örtlichen Frauenunion sind über die Ereignisse im Dorf stets im Bilde und können unsere Verantwortliche informieren, wenn irgendwo ein Problem auftritt. Frau Hien kann rascher reagieren, weil sie unmittelbar informiert wird. In dieser Beziehung hat unsere Arbeit eine neue Qualität erreicht, was sich in stabilen Resultaten über lange Zeiträume ausdrückt.
Offizielle Stellen würdigen mehr und mehr unser Engagement für allein stehende Frauen und für Biogas. Das Fernsehen brachte einen ausführlichen Beitrag...



... und auch eine Provinzzeitung berichtete über unsere Arbeit für arme Frauen auf dem Lande. Eine überregionale Zeitung Vietnams berichtete über das persönliche Engagement der Vertreterin von Courage e.V. in Vietnam.

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Finanzielle Belastungen: Aus den o. g. Gründen haben sich die Kosten zur Ausstattung (3 Ferkel, Stall, Übergangsfutter, Schulung) der Frauen, um dann ohne weitere finanzielle Hilfe einen dauerhaften Verdienst zu haben, erheblich erhöht; Von etwa 250,- € im Jahre 2010 auf jetzt ca. 350,-€.

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Gesamteindruck: Es ist Bewegung in das Projekt gekommen und die Ergebnisse der Schweinehaltung sind wesentlich stabiler geworden. Das bedeutet, dass alle Frauen mehr verdienen. Die Chance, aus eigenen Kräften Geld zu verdienen, ist angenommen worden. Ausnahmen gibt es nur noch sehr wenige. Selbst solche Frauen, die zeitweise die Anzahl der Schweine reduziert hatten, sind wieder bei drei Schweinen. Andere haben aus eigenem Antrieb und mit eigenem Geld die Stallanlagen vergrößert, damit sowohl Muttersauen, Läufer als auch die Ferkel genügend Platz haben und gesondert gefüttert werden können. In Huong Tho beliefern zwei Frauen eine Firma, die lebende Ferkel über die unmittelbare Umgebung hinaus vertreibt.
Der Vorsitzende von Courage e.V. nahm an einer Veranstaltung der Frauenunion des Distriktes Huong Tra teil. In der Kommune Binh Thanh fand ein Erfahrungsaustausch von Projektfrauen zur Schweinezucht und zu Biogas-Anlagen statt. Unsere Vertreterin unterstützte diese Veranstaltung tatkräftig.


Gerd Willkommen                                                                     Erzhausen, im April 2012
Vorsitzender Courage e.V.

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