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letzte Aktualisierung
25.04.2012


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Zusammenfassender Bericht zur Kontrollreise nach Hue
vom 22.08. bis 03.09.2011

Nach wie vor ist die Übergabe von Stall und Ferkeln als Grundlage für eine Schweinehaltung die meist gewünschte und erfolgreichste Form der Projekthilfe durch "Courage". Im Jahr 2011 wurden bis August 48 alleinstehende, bedürftige Frauen in die Projektarbeit einbezogen. Insgesamt erhielten 37 Frauen Ferkel, 10 Frauen bekamen Hühner und einer Frau wurde mit der Anlage zur Produktion von Räucherstäbchen geholfen. "Courage e.V." konnte helfen, ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern.


Beispiele von Schweinehaltung im "Courage-Projekt".
Alle Frauen haben mit nur drei Ferkeln angefangen.

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Die erfolgreichen Frauen haben bereits im zweiten Jahr einen Jahresverdienst zwischen 600€ und 1.200€ pro Jahr. Zuvor hatten sie unterhalb der offiziellen Armutsgrenze (Vietnam) von 160 € leben müssen. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass nicht alle Frauen die Kraft und den Willen haben, das Futter für drei oder mehr Tiere zu beschaffen und aufzubereiten. Bei einigen sind auch Ferkel gestorben. Der Erfolg hängt auch davon ab, wie stark die Vietnamesische Frauenunion Einfluss nimmt und den Frauen über schwierige Phasen hinweg hilft.

Bei unseren Besuchen hatten 90% der Frauen Schweine im Stall. Da aber die Regen- und Taifun-Zeit beginnt, verkaufen viele ihre Tiere, die in Gebieten wohnen, die jährlich unter Wasser stehen. Andere treffen Vorbereitungen, damit sie ihre Tiere in die nahen Hügel führen und dort unterbringen können. Ferkel werden auf dem örtlichen Markt erst nach dem Ende Regenzeit wieder gekauft. Der finanzielle Erfolg ist stark davon abhängig wie viel die Frauen an Futter aus dem eigenen Garten oder durch Sammeln von Wasserspinat aus den Flüssen bereitstellen können.

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ManiokwurzelManiokpflanzen im Garten
als Futter für die Schweine

Es wurden erstmals auch andere Formen der Unterstützung alleinstehender Frauen angewendet:

Frau Thi Be ist Analphabetin und hat nicht genug Land, um einen Schweinestall installieren zu können. Deshalb hatte unsere Vertreterin in Hue vorgeschlagen, ihr eine Maschine zu kaufen, mit der die viel gebrauchten Räucherstäbchen hergestellt werden können. Frau Be wurde angelernt und ist nun in der Lage, regelmäßig Geld (ca. 50.000 VND = 1,80 € täglich) zu verdienen. Damit hat sie bereits die Armutsgrenze überschritten.

 RäucherstäbchenProduktionsergebnis
eines Tages (Verkaufserlös ca. 2,50 €)

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Im Dorf Huong Tho wurden 10 alleinstehende Frauen in die Hühnerhaltung eingeführt, weil sie für Schweinezucht nicht genügend Land zur Verfügung haben. Ihnen wurden Käfig und Netze für die Umzäunung sowie 50 Küken und etwas Futter übergeben. Von der Frauenunion und den Beteiligten gab es ein positives Echo. Die Frauenunion sprach von ca. 300 € Gewinn pro Jahr. Das ist weniger als die Hälfte des Ergebnisses bei Schweinen. In Zukunft soll die Übergabe von Hühnern zur Linderung der größten Not nur in Einzelfällen angewendet werden, weil die Effektivität des Mitteleinsatzes nicht mit anderen Hilfeformen Schritt halten kann.

Die Vietnamesische Frauenunion soll die Interessen aller Vietnamesinnen vertreten. In den ländlichen Kommunen legen ihre lokalen Vertreterinnen großen Wert auf die Kooperation mit Courage e.V., weil sie von Amts wegen verpflichtet sind, die Frauen aus der Armut zu führen. Courage e.V. hat im Prinzip die gleiche Zielstellung. Es sind staatliche Programme aufgelegt, allen als "arm" anerkannten Frauen eine steinerne Behausung zu garantieren. Je zu einem Drittel sollen sich der Staat, die Frauenunion und die betroffene Person an der Finanzierung beteiligen. Dadurch, dass die Projektfrauen durch den Erlös der Schweinehaltung in der Lage sind, Kredite zurückzuzahlen, gewährt ihnen die Frauenunion ohne Probleme auch Kredit. So haben in der Kommune Binh Thanh inzwischen alle im Projekt einbezogenen alleinstehenden Frauen ihre Blech- oder Holzhütten verlassen und wohnen im Steinhaus (siehe Foto). Insgesamt haben acht Frauen Biogas-Anlagen! Das Projekt wird auch von den Vorsitzenden der Gemeinderäte intensiv unterstützt. Meetings gab es mit den Vorsitzenden der Frauen Union des Kreises Huong Tra und in den Kommunen Trieu Bieu, Huong Ho, Huong Tho, Binh Thanh, Huong Vang und Loc Thuy.

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Die Arbeit von "Courage e.V." im Jahre 2011 fiel in eine Zeit wirtschaftlicher Probleme in Vietnam. Die Inflation betrug lt. Angaben des Statistischen Amtes in Vietnam im Juli 15,6%. Die ausländischen Investitionen gingen in den ersten drei Monaten von 2011 um 30% zurück. Die Folgen sind Preissteigerungen bei Energie und Grundnahrungsmitteln (außer Reis), die besonders die Armen hart treffen. Die vietnamesische Regierung versucht, mit verschiedenen Maßnahmen den Hunger und die Armut vor allem auf dem Lande zu bekämpfen.

Biogas-Anlagen

BiogaskocherÜbliche, mit Holz betriebene Kochstelle

Wenn die Frauen mindestens fünf Schweine haben, ist Courage bereit, ihnen eine Biogas-Anlage zu finanzieren. Damit leistet Courage e.V. einen wesentlichen Beitrag zur Reinhaltung des Grundwassers, der Bereitstellung von erneuerbarer Energie und somit zum schonenden Umgang mit der Umwelt. Die finanzielle Ausstattung von Courage e.V. hat für bisher 8 Biogas-Anlagen ausgereicht. Der Bau von drei weiteren Biogas-Anlagen ist vorgesehen. Gebraucht werden allerdings mehr.

Zur Hilfsarbeit in Vietnam gehört eine staatliche Registrierung der Arbeit der NGO bei den dafür zuständigen Behörden. Das ist in erster Linie PACCOM in Hanoi. Am 22.8. fand ein kurzes Meeting mit dem Stellv. Direktor für Europa, Nguyen Trung Dung statt, in dem Courage e.V. die im Juni ausgestellte Arbeitserlaubnis übergeben wurde. Dieses ein Jahr gültige Papier erlaubt Courage e.V. die Hilfsarbeit nur in der Provinz Thua Thien Hue.

Der Vorsitzende von Courage e.V. stellte die Anstrengungen der NGO zur Verbesserung der Lebenssituation von alleinstehenden Frauen auf dem Lande vor und verwies auf die Erfolge im Umweltschutz durch den Bau von Biogas-Anlagen.

Herr Dung, Stellv. Bereichsdirektor bei PACCOM verwies auf die Verpflichtung der NGO ihre finanziellen Daten vor Beendigung eines jeden Halbjahres nach Hanoi zu senden.

Jeder Besuch bei den Projektfrauen in den Dörfern, sei es durch den Vorsitzenden oder auch Gäste, muss beim FRD (Foreign Relations Department) der Provinzregierung mit Namen und Passnummer angemeldet werden. Am 23.8. fand ein kurzes Treffen mit der Stellv. FRD, Frau Ngo Thuy Dung, statt. Beide Seiten stellten fest, dass sich die Erfolge in der Armutsbekämpfung für die Frauen mit realen Verbesserungen von deren Lebensbedingungen bemerkbar machen.

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Frau Buom aus Huong Ho

Frau Buom gehörte 2008 noch zur Dorfarmut, bevor sie ins Projekt kam. Aus dem Erlös der Schweinezucht hat sie 2009 eine Kuh gekauft. Das inzwischen geborene Kälbchen wurde wieder verkauft. Ihre Arbeit in der Forstwirtschaft hat sie noch nicht aufgegeben. Sie wohnt inzwischen ebenfalls in einem neuen Haus.

Die Darstellung der vielen Einzelschicksale, die mit Courage e.V. verbunden sind, würde zu viel Platz einnehmen, weshalb sie im Laufe der Zeit einzeln nachgereicht werden.


Gerd Willkommen                                                                     Erzhausen, im Sept. 2011
Vorsitzender Courage e.V.

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Frau Pham Thi Em,

wohnhaft im Dorf Giap Nhi. Sie ist 39 Jahre alt und Analphabetin. Sie wurde am Ende des Vietnamkrieges geboren. Ihre von Armut und Entbehrung geprägte Kindheit und Jugend fiel in die schweren Nachkriegsjahre.

Erst als sie 27 Jahre alt war, heiratete sie. Sie lebte mit ihrem Mann glücklich zusammen und gebar zwei Kinder. Leider starb ihr Mann vor acht Jahren an einer Krebserkrankung. Es war für sie ein sehr schwerer Schlag. Nicht nur dass ihr der Lebenspartner wegfiel, sondern auch der Ernährer der Familie hatte sie verlassen. Sie fiel in tiefe Armut.

Der zweite große Schicksalsschlag ereilte sie, als ihr Sohn im Alter von neun Jahren während der großen Flut des Jahres 2009 ertrank. Jetzt lebt sie mit ihrer Tochter allein. Ihre Gesundheitszustand ist nicht gut, denn sie hat ein Brust-Fibrom. Sie arbeitet als Tagelöhnerin im Reisanbau der reichen Nachbarn. Ihr Durchschnittseinkommen liegt bei 200.000VND/Monat (7 €). Sie hofft darauf, dass wir ihr helfen, ihre Situation zu überwinden.

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Frau Cao Thi Hoa,

wohnhaft im Dorf Giap Nhi, Gemeinde Huong Van. Sie ist 57 Jahre alt und sie ist Analphabetin. Ihre Kindheit und Jugend fiel in die Zeit des Vietnamkrieges. Ihre Familie lebte im Umfeld des Camp Evans der amerikanischen Streitkräfte. Immer wieder gab es milit&aum;rische Auseinandersetzungen, unter der auch die Zivilbevölkerung zu leiden hatte. Ihr täglicher Job war es Büffel zu hüten und im Haushalt zu helfen. Sie wurde älter und älter, aber niemand liebt sie und wollte sie heiraten. Als sie 40 Jahre alt war, hatte sie eine Affäre mit einem Mann, der bereits verheiratet war. Dieser Mann wollte sie und ihr Kind nicht unterstützen.

Anmerkung: In Vietnam ist es überliefertes und noch immer respektiertes Gesetz, dass auch eine unverheiratete Frau über 30 Jahre das Recht auf ein Kind hat. Wenn sich eine Frau über 30 mit jemand liiert, ist der Vater dann nicht verpflichtet, für das Kind zu sorgen. Offizielle Meinung: Wenn sie schon keinen Mann bekommen hat, soll ihr wenigstens ein Kind gegönnt sein.

Ihre Tochter ist jetzt 18 Jahre alt, Klasse 12.

Frau Cao Thi Hoa arbeitet als Tagelöhnerin im Reisanbau bei Nachbarn. Ihr Durchschnittseinkommen liegt bei ca. 250.000VND/Monat (9 €). Ihr Bestreben ist es, in unser Projekt zu kommen, um ihre Situation überwinden zu können.

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Frau Dang Thi Gai,

wohnhaft im Dorf Bau Dung, Gemeinde Huong Van. Sie ist 42 Jahre alt; Tagelöhnerin. In ihrer Kindheit lebte sie mit ihrer Familie. Ihre Eltern sorgten dafür, dass sie neun Jahre zur Schule gehen konnte. Erst danach wurde sie vollständig in die Arbeiten der Eltern eingegliedert.

Sie hat Diabetes.

In ihrer Jugend wartete sie zu Hause auf einen Partner, aber niemand wollte sie. Sie wurde von Tag zu Tag älter und hoffnungsloser. Sie selbst sagte dazu, der Grund dafür sei der Männermangel in ihrem Dorf nach dem Krieg. Sie arbeitet jetzt als Tagelöhner bei reichen Nachbarn auf dem Reisfeld. Obwohl sie selbst keine Kinder hat, kümmert sie sich um die Erziehung von drei Neffen, die von ihren Eltern verlassen wurden. Nach der Scheidung sind sowohl der Vater als auch die Mutter weggegangen. Daher ist ihr Leben so schwierig. Ihr Einkommen beträgt 600,000 VND/Monat (21 €). Manche Monate gibt es einfach nichts zu tun und so kann sie kein Geld verdienen. Die Kosten laufen derweil weiter. Derzeit lebt sie im Haus ihrer Eltern. Sie erwartet, dass wir ihr helfen, ihre Situation zu verbessern.

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Frau Le Thi Thuy,

wohnhaft im Dorf Giap Nhat, Huong Van Kommune, Huong Tra Distrikt.

Sie ist 42 Jahre alt. Die Schule besuchte sie nur zwei Jahre. Die gesamte Kindheit lebte sie mit ihren Eltern, was in armen Familien nicht selbstverständlich ist. Allerdings musste sie arbeiten. Ihre Aufgabe war das Hüten der Wasserbüffel der Familie. Nach drei Jahren mussten ihre Eltern die Büffel verkaufen, weil die Tiere sich nicht reproduzieren konnten. Danach war es ihre Arbeit, in den Bergen Feuerholz zu sammeln und beim Reisanbau zu helfen.

Als sie 18 Jahre alt war und sie zum Brennholzsammeln in den Wald ging, traf sie einen Mann, der sie überrumpelte und dem sie sich hingab. Es war nur eine kurze und in den Augen der Dorfbevölkerung keineswegs legale Beziehung. Der Mann machte sich aus dem Staub und ließ sie sitzen, als sie schwanger war. Sie war lange Zeit allein mit dem Kind. Nach 3 Jahren konnte sie glücklicherweise heiraten. Aus dieser Ehe gingen drei weitere Kinder hervor. Nach der Geburt des dritten Kindes beging der Mann Ehebruch und verschwand. Wie üblich zahlten die Väter ihrer Kinder keine Alimente. Sie hatte nun allein für 4 Kinder zu sorgen. Es ist sehr schwierig ohne fremde Hilfe, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder zur Schule gehen können. Ihr Durchschnittseinkommen liegt bei 200.000VND/Monat (7 €) Sie wünscht sich sehr, dass wir ihr helfen.

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Frau Pham Thi Huong,

Sie wurde 1977 geboren und wuchs im Schoße ihrer Familie auf. Verheiratet ist sie nicht, hat aber eine fünfjährige Tochter, Pham Thi Ha. Sie lebt als Kleinstbäuerin und Tagelöhnerin im Dorf Giap Thuong.

Die Besonderheit: Sie ist taub, was ihr das Leben auf dem Lande sehr erschwert. Das mittlere Einkommen beträgt 500.000 VND/Monat (18 €).

Sie hofft, dass wir ihr helfen können, der misslichen finanziellen Situation zu entkommen.

 
Frau Pham Thi Huong und unsere Vertreterin Frau Ton Nu Thi Hien

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Frau Pham Thi The,

wohnhaft im Dorf Giap Thuong, Gemeinde Huong Tra. Sie ist 44 Jahre alt, Minilandwirtin. Weil die Situation zu Hause so schlecht war, konnte sie nur bis zur fünften Klasse die Schule besuchen und musste dann der Familie im Haushalt und auf dem Feld helfen. Damit teilt sie das Schicksal vieler Mädchen, während die Brüder oftmals die Schule beenden konnten.

Sie ist nicht verheiratet und bekam 2006 einen Sohn, Truong Quyet. In der jeweiligen Saison sammelt sie Holz, Kräuter oder Pilze und verdient auf diese Weise Geld. Ihr durchschnittliches monatliches Einkommen beträgt 300.000/Monat (11 €). Das ist ein sehr geringes Einkommen in dieser, schwierigen Zeit. Das reicht nicht aus, um ihren Sohn eine Schulbildung zu bezahlen. Deshalb hofft sie inständig, dass wir sie in das Projekt aufnehmen und sie ihre Lebensumstände verbessern kann. Das Haus wurde ihr von der Gemeinde bereitgestellt.

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Frau Phan Thi Van,

wohnt im Dorf Giap Nhat, ist 35 Jahre alt, Bäuerin, und hat die Schule nach der 5. Klasse verlassen müssen, weil ihre Eltern zu arm waren, um ihre Schulausbildung zu finanzieren. Mit 19 Jahren wurde sie verheiratet. Nach 11 Jahren Ehe starb ihr Mann an den Folgen einer Krebserkrankung; sie haben einen Sohn und eine Tochter.

Ihre Situation ist sehr hart. Sie muss allein zwei Kinder großziehen. Um ein kleines Häuschen zu bauen, musste sie sich Geld borgen. Momentan arbeitet sie als Straßenkehrer. Ihr durchschnittliches Monatseinkommen ist 700.000 VND (25 €). Es ist sehr schwer für sie, damit drei Personen zu versorgen. Sie hofft, mit unserer Hilfe aus ihrer schwierigen Situation herauszukommen.

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