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letzte Aktualisierung 10.10.2010

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Kontrollreise zum Stand der Projektentwicklung in der Provinz Thua Thien Hue, Vietnam

Der Besuch in Hue fand in der Zeit zwischen dem 10. Und 24. März 2010 (wie immer auf eigene Kosten) statt. Schwerpunkte sollten Gespräche mit den alleinstehenden Frauen zu ihrem sozialen Umfeld und den konkreten Ergebnissen sein, die sie mit der Anfangsfinanzierung der Ferkel und des Schweinestalles erreichen können. Es wurden Frauen in allen sechs Gemeinden besucht, in denen unser Projekt realisiert wird.

Frau Ton Thi Phu

Weitere Punkte waren der Schutz der Schweine vor dem jährlichen Hochwasser, ein Treffen mit den Vertretern der Abteilung Internationale Beziehungen der Provinzregierung sowie der Erfahrungsaustausch mit Herrn Vandong, Mönch aus Kambodscha und Leiter von BSDA. BSDA hat unsere Projektidee in Kampong Cham übernommen, aber nicht die gleichen Erfolge erzielt, wie sie unter der Leitung unserer Vertreterin in Hue, Frau Ton Nu Thi Hien, erreicht wurden.

Frau Nguyen Thi Sen Suh
Frau Nguyen Thi Sen Suh (50) ist eine Frau,
die überaus erfolgreich die Chancen genutzt
hat, die sich aus dem Projekt für sie ergeben
haben


1. Zum sozialen Umfeld

Einige Beispiele aus dem Projekt.
Solches Elend und solche Hoffnungslosigkeit, wie in der Hütte von Ton Thi Phu (Thuy Bieu Kommune), hatte der Autor in Vietnam nicht mehr erwartet. Die Frau ist 47 Jahre alt und lebt mit ihrem behinderten Bruder zusammen. Sie hat offensichtlich nicht die geistige Beweglichkeit, aus der Chance mit den Ferkeln zu finanziellen Gewinn zu ziehen. Sie geht noch immer als Tagelöhnerin auf die Felder der Nachbarn arbeiten. Mehr als 15 Tage im Monat wird sie nicht gebraucht. Damit sichert sie ein Monatseinkommen von 300.000 VND (etwa 12 €).


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 Gasherd in der Kuecheneues Bett
Toilette

Frau Nguyen Thi Sen Suh führte uns stolz ihre neuesten Errungen-schaften vor, die sie vom Erlös angeschafft hat: ein neues Bett, eine neue Küche mit Propangas-Anlage und eine neue Toilette. Dazu kommt noch die Erweiterung des bestehenden Hauses.

Frau Cao Thi Loc
Frau Cao Thi Loc in Binh Thanh, 43 Jahre

Frau Cao Thi Loc in Binh Thanh hat fünf Kinder von drei Männern. Nie war es der richtige Mann bzw. keiner wollte bleiben. Sie ist ausgesprochen fleißig. Vor einem Jahr kam sie in das Projekt und erhielt drei Ferkel. Bereits drei Mal hat sie verkauft und zum Zeitpunkt des Besuches hatte sie 11 Tiere im Stall. Sie hat sich voll und ganz auf Schweinehaltung konzentriert. Im Garten kann sie Futter anbauen. Mit dem eigenen Brunnen bewässert sie das Land auch an trockenen Tagen. Dennoch kauft sie Kraftfutter für die Schweine hinzu, damit sie schneller wachsen. Die sieben auf dem Foto verkaufte sie zwei Tage nach unserem Besuch. Der Erlös war die für sie enorme Summe von 17.000.000 VND oder ca. 750 U$. Vor zwei Jahren gehörte sie noch zu denen, die unter der Armutsgrenze von 20 $ pro Monat leben mussten.

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sieben Schweine
Verkaufserlös: 7 x 2.500.000 VND
Sie hatte 11 Tiere im Stall, die Gülle produzieren. Deshalb will Courage für sie in der nächsten Zeit eine Bio-Gas-Anlage einrichten lassen. Damit wird die Umwelt geschützt (Trinkwasserresourcen und Wald - sie wird künftig kein Feuerholz aus dem Wald holen, sondern das eigne Bio-Gas in der Küche nutzen).


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Die nächste Generation steht schon im Stall. Ihre Verdienstmöglichkeit wird sie behalten. Vom Geld, das sie mit den Schweinen verdient hat, legte sie sich ein Moped zu. Mit Tränen in den Augen berichtete sie davon, dass der älteste, siebzehnjährige Sohn mit dem Moped schuldhaft einen Verkehrsunfall verursacht und eine Frau verletzt hat. Sie musste mit Beinbruch ins Krankenhaus. Die Polizei hat das Moped vorerst einbehalten, bis der Unfallgegnerin die Kosten erstattet werden.

Frau Anh Thi Dung
Frau Anh Thi Dung

Frau Anh Thi Dung starb einen Monat, nachdem sie ihre drei Ferkel erhalten hatte, an den Folgen von Diabetes. Das Geld für Medikamente konnte sie nicht aufbringen. Frau Anh Thi Dung hinterließ eine zweijährige Tochter. Ihr Bruder kümmert sich nun um das kleine Mädchen. Er hat auch die Schweinehaltung übernommen.
Thi Phuong
Die zweijährige Thu Phuong
Faktisch ist die kleine Thu Phuong Erbin und Besitzerin der Schweine aus dem Projekt. Ich glaube, dass die Courage – Mitglieder mit mir darüber übereinstimmen, dass wir Herrn Phan Thom in das Projekt für alleinstehende Frauen aufnehmen. Er hat die drei ersten Ferkel groß gezogen, verkauft und vom Erlös hat er sieben Ferkel angeschafft, die im von ihm vergrößerten Schweinestall stehen. Im Garten baut er Futter an, das er mit Kraftfutter mischt.


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Ms. Dong
Frau Dong aus Huong Tho

Es gibt noch viel mehr überzeugende Beispiele zu berichten. Selbst Frauen, die es bereits aufgegeben hatten, Schweine zu halten und zu ihrem früheren Tagelöhnerdasein zurück gekehrt waren, sind in das Projekt zurückgekehrt.

In den Hochwasser gefährdeten Gebieten von Loc Thuy, Quang Thai, Huong Ho und Huong Tho müssen die Frauen ihre Schweine in Sicherheit zu bringen. Wenn ein Hügel einigermaßen erreichbar ist, werden die Schweine
Frau Jo Thi Thi
Frau Jo Thi Thi aus Huong Tho zurück
im Projekt
dorthin getrieben, bis das Wasser wieder zurückgegangen ist. Wo das nicht geht, behilft man sich mit Flößen aus Stämmen von Bananenstauden und fährt die Schweine zu höher gelegenen Flächen am Haus.


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2. Resultate der Arbeit

Die einbezogenen Frauen begreifen die Schweinehaltung als Chance, unabhängig aus eigener Kraft Geld verdienen zu können. Das Ergebnis hängt vom Fleiß, Geschick und den konkreten landwirtschaftlichen Bedingungen ab. Wenn Futter angebaut werden kann, steigt der eigne Gewinn.
Viele nutzen das erarbeitete Geld für kleine Verbesserung ihres Lebensstandards, wie ein neues Bett oder ein TV-Gerät. Andere nehmen Verbesserungen am Haus vor und bezahlen für ein neues Dach, Estrich statt Lehmboden im Haus oder eine französische Toilette. Viele investieren weiter in die Schweinehaltung. Fast alle legen Geld für das Alter zurück.
Es gibt Programme des Staates, die von der Frauenunion vertreten werden, armen Familien zu einem Steinhaus zu verhelfen. Der Staat bezahlt 50% der Kosten bis zu 6.000.000 VND (ca. 280 €). Die Eigentümer müssen die andere Hälfte aufbringen. Frauen, die schon länger im Projekt sind, wohnen nun in steinernen Häusern.
Zwei Frauen, mit denen wir sprachen, erklärten von sich aus, dass sich, seitdem sie die ersten Ferkel erhielten, ihr Leben verändert hätte. Sie könnten zwar keine Reichtümer erwerben, aber es reiche zum Leben und vor allem könnten sie ihr Leben nun besser selbst bestimmen.


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3. Organisation des Projektarbeit in Vietnam

Die Grundlagen für die Qualitätssteigerung liegen in der engeren Zusammenarbeit mit der Frauenunion in den Dörfern.
Vorsitzende Frauenunion
Die neue Vorsitzende der Frauenunion
Es ist ein offensichtlicher Vorteil, dass Courage e.V. die organisatorische Struktur der Frauenunion in den Gemeinden nutzen darf. Die ausgewählten Frauen werden in die Räume der Gemeinde eingeladen. Dort findet die Ausbildung durch einen Lehrer von der Uni Hue statt. Nachdem sie ihre Ferkel erhalten haben, kommen sie im Raum der Frauenunion noch einmal zum Erfahrungsaustausch zusammen. Von der Frauenunion wird nur vom allerersten Verkaufserlös ein Obolus von 230.000 VND eingezogen, mit denen dann weitere Frauen in das Projekt einbezogen werden können, für die „Courage e.V.“ keine Finanzen aufbringen muss. Wegen der Unterstützung durch die Frauenunion kann Frau Hien ca. 120 Frauen intensiv betreuen. Sie ist immer auf dem Laufenden, wenn Verkauf der gemästeten Schweine ansteht oder irgendetwas Unvorhergesehenes passiert ist. Die Frauenunion kann durch „Courage“ in einer ihrer wichtigen Aufgaben, der Bekämpfung der Armut, vorankommen, ohne selbst finanzielle Mittel einsetzen zu müssen. Und last but not least hängt Vieles vom Engagement der handelnden Personen ab.
kambodschanische Moenche
Besuch bei Cao Thi Loc in Binh Thanh
Frau Hien und der Autor waren zwei volle Tage mit den beiden Mönchen von BSDA aus Kampong Cham, Kambodscha, unterwegs. Wir haben ihnen die Projekte in Binh Thanh und Loc Thuy gezeigt. Herr Vandong war schwer beeindruckt, wie erfolgreich man sein kann, wenn alles passt. Frau Hien hat ihre Aufgabe gut gelöst, auch wenn sie die Fragen von Herrn Vandong nach Projektstruktur und Ablaufplan nicht klar gegliedert beantworten konnte. Dafür ist sie im Detail zu Hause. Sie könnte fast als Spezialistin für den Bau von Schweineställen gelten, so detailliert erklärte sie die verschiedenen Varianten von Schweineställen und deren Bau.

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Der gravierende Unterschied zum Courage-Projekt in Kambodscha scheint zu sein, dass sie in Kampong Cham nicht genug Wasser haben, um erfolgreich Futter für die Schweine anbauen zu können. Herr Vandong monierte auch das Fehlen von elektrischer Energie in Kambodscha. Vor allem hat Frau Hien die Unterstützung der staatlichen Organe und der FrauenUnion auf ihrer Seite. Das ist ein riesiger Vorteil, da sie viele Vorarbeiten leisten. Im Abschlussmeeting äußerste sich Mr. Vandong sehr zufrieden und dankte Frau Hien ausdrücklich. Insgesamt bin ich der Meinung, dass es für beide Seiten ein erfolgreiches Treffen war, denn auch Frau Hien hatte ein positives Erlebnis, nämlich die Bestätigung ihrer Arbeit von einem buddhistischen Mönch.


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Zusammenfassung zu sozialen Fragen

  • Alle besuchten Frauen wurden zum Thema "Vaterschaft und Alimente" zu ihren Kindern befragt. Zum Erstaunen des Autors haben ausnahmslos alle der vietnamesischen traditionellen Regelung zugestimmt, dass der Vater sich nicht um die Erziehung und um die Ernährung seiner Kinder zu kümmern hat, wenn diese in einer nicht ehelichen Beziehung entstanden sind. Frau Thuy aus Quang Thai bekannte freimütig, dass sie sich ihren Sohn auf dem freien Markt beschafft hat. Selbst eine nicht aus dörflichem Milieu stammende Frau mit Hochschulausbildung befürwortete diese Regelung, die es einer unverheirateten Frau ermöglicht, Kinder zu haben. Ihr Argument war, dass sich beruflich erfolgreiche Frauen nicht wieder unter die Dominanz des Mannes und das Diktat der Schwiegermutter begeben wollen. Normalerweise zieht die Frau nach der Hochzeit in das Haus des Mannes. Diese Tradition lässt zu, dass sich verheiratete Männer ungestraft austoben dürfen, während ihre Frauen unter der strengen Aufsicht der Schwiegermutter "gut und sicher" aufgehoben sind.

  • Jüngere Frauen, die sich auf eine Liebschaft eingelassen haben, und schwanger werden, haben keine Chance auf eine neue Bindung, wenn der Mann das gegebene Wort nicht einhält und sich aus dem Staube macht. Das Fatale an der Sache ist, das vor allem Frauen mit geringer Bildung noch tiefer in Not geraten, weil sie für einen Esser mehr zu sorgen haben. Den Ehefrauen der Männer, die den "freien Markt" besuchen, ist oftmals das Verhältnis bekannt. Im Einzelfall können sie sich vielleicht durchsetzen, das gesamte soziale Gefüge zu ändern kann ihnen nicht gelingen.

  • Die vietnamesische Frauenunion ist verpflichtet, den Armen zu helfen. Sie unternimmt auch ansehnliche Anstrengungen, aber die Notwendigkeit mit der zugrundliegenden Tradition zu brechen, sehen die von mir kontaktierten örtlichen Verantwortlichen der Frauenunion nicht. Dafür scheint die Zeit noch nicht reif zu sein.

  • Es ist ein Anachronismus, wenn auf der einen Seite staatliche Hilfe und die von NGO zu den Bedürftigen geleitet wird, und auf der anderen Seite nichts getan wird, die Ursachen für die Armutsfalle zu beseitigen.

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4. Wie weiter?

Courage wird wie bisher neue Frauen auswählen, ins Projekt einbeziehen und die Betreuung aufrecht erhalten. Wir werden den Frauen eine Bio-Gas-Anlage finanzieren, die mehr als fünf Schweine dauerhaft im Stall zu stehen haben. Die weitere Arbeit in Vietnam wird so vorangetrieben, wie Finanzen auf dem Spendenkonto eingehen.
Die Arbeit in Kambodscha wird stärker an den Erfahrungen in Vietnam ausgerichtet. Auch hier ist der Fortschritt vom Eingang der Spenden abhängig.

Gerd Willkommen
Vorsitzender Courage e.V.


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