english version
English Version
   

letzte Aktualisierung 10.01.2008

[Fenster schließen]


Frau Hien und Frau Claudia Schreiber
Bericht über den Vietnambesuch im März 2006

Am 3. März saßen das Ehepaar Schreiber und Gerd Willkommen erwartungsfroh im Flugzeug, das uns über Taipei nach Hanoi bringen sollte. Es war der Tag des großen Schnees und des Durcheinanders auf dem Frankfurter Flughafen. Nach zwei Stunden wurde unsere Maschine endlich enteist und wir konnten starten. Zum Glück kamen wir noch pünktlich am Nachmittag des nächsten Tages an. Frau Hien, unsere Vertreterin in Hue, empfing uns freudestrahlend am Flughafen in der Kaiserstadt.

Abendstimmung am Parfümfluss in Hue
Unsere Repräsentantin in Hue
Der nächste Tag, ein Sonntag, war für Stadtbesichtigung und ein Treffen mit Frau Ton Nu Thin Hien und ihrer Tochter reserviert. Sie hatte 2004 ihre Arbeit verloren und lebt seitdem ohne Einkommen mit ihrer Tochter, Schwester, Nichte und Bruder auf 27 qm. Die monatliche Miete, inclusive Wasser und Energie beträgt ca. 35 Euro. Mit der finanziellen Unterstützung von Hannelore und Gerd Willkommen hat sie im letzten Jahr in Saigon einen Lehrgang auf einer internationalen Frauenschule absolviert. Neben Haarstyling, Make up, Massage hat sie auch Kurse für traditionelle Dekoration von Speisen und Kuchen belegt. Solche handwerklichen Fähigkeiten wären in einem Fünf-Sterne-Restaurant in Deutschland gefragt.

Vertragsabschluss: Herr Gerd
Willkommen, Frau Claudia Schreiber,
Frau Thuy Dung und Herr Chau Ding
Nguyen (v.l.n.r.)
Leider muß sie sich in Vietnam ihre Kunden suchen und hat schwer zu tun, ihr eigenes Geschäft zum Laufen zu bringen. Das Ehepaar Schreiber kam für das Schulgeld und weitere Ausgaben für die Bildung für ihre Tochter auf.
Am ersten Arbeitstag der Woche hatten wir einen Termin bei der Abteilung Internationale Beziehungen der Provinzregierung in Hue. Vom Leiter der Abteilung, Herr Chau Dinh Nguyen, und Herr Gerd Willkommen wurde der Vertrag in feierlicher Form unterzeichnet, der die Grundlage der Hilfsarbeit in Vietnam ist.
nach oben

Besuch der alleinstehenden Frauen in Huong Tho
Von der Abteilung Internationale Beziehungen konnten wir uns auch für den Urlaubsteil ein Auto gegen eine reguläre Gebühr ausleihen. Da Gerd Willkommen einen

Frau Thi Y und ihr Sohn.
Das Geld für das Steinhaus erhielt sie
nach der großen Flut aus internatio-
nalen Spenden
vietnamesischen Führerschein und mehrere Jahre Fahrpraxis in Vietnam besitzt, wurde die Nutzung genehmigt.
Am Nachmittag fand ein informelles Treffen mit der Frauenunion des Distriktes statt, an dem auch eine Vertreterin der Abteilung Internationale Beziehungen teilnahm. Danach begleitete uns die für das Dorf Huong Tho zuständige Frau der Frauenunion. Am nächsten Tag führte sie uns zu fünf alleinstehenden Frauen, die auf der offiziellen Armutsliste stehen, die jedes Dorf zu führen hat. Wir sollten und mußten entscheiden, ob die besuchten Frauen arm und hilfsbedürftig genug sind, um unsere Hilfe erhalten zu können. Ein scheußlicher Job, eine solche Auswahl treffen und damit

Hier müssen wir entscheiden, ob Frau
Thi Dong "bedürftig" genug ist, die für
ihre alte Mutter gleichermaßen zu
sorgen hat.
Schicksal spielen zu müssen. Unvergesslich wird uns die Szene bleiben, bei der selbst unserer vietnamesischen Frau Ton Nu Thi Hien die Tränen kamen, als wir das Haus und die Lebensumstände gesehen hatten, unter denen Frau Thi Thi und ihr Kind zu leben haben.

Frau Thi Dong und ihre Mutter
In der von Männern dominierten Gesellschaft in Vietnam haben es diese auf dem Lande lebenden, alleinstehenden Frauen besonders schwer. Sie sind geschieden oder waren gar nicht

Frau Thi Thi vor ihrem Haus. Das Geld
für das Steinhaus erhielt sie nach der
großen Flut aus internationalen Spenden
verheiratet. Die Väter ihrer Kinder haben sich abgesetzt und zahlen keinen Unterhalt. Sie besitzen einen kleinen Garten. Geld erhalten sie für Gelegenheitsarbeit in nachbarschaftlicher Hilfe. Ihr monatliches Einkommen beträgt weniger als 15 Euro. Die vietnamesische Regierung ist sich der Probleme bewusst. Sie und die Frauenunion unternehmen Anstrengungen, um die Armut insbesondere auf dem Land zu bekämpfen und Benachteiligung abzubauen.
nach oben

Schweinezucht in Ai Tu

Ferkel für die Aufzucht
Wir wollen den Frauen Hilfe zur Selbsthilfe gewähren und ihnen Ferkel einer guten Fleischrasse übergeben, mit denen sie durch Zucht ein laufendes Einkommen realisieren können. Zu Preisabsprachen besuchten wir die Anlage in Ai Tu und bestellten die ersten 40 Ferkel.
nach oben

Schulung der Frauen
Dann kam endlich der Tag der Schulung der Frauen. Sie warteten schon sehnsüchtig darauf, dass es losgeht. Acht hatten wir zunächst ausgewählt. Herr Minh vom Nationalpark Bach Ma, ausgebildeter Biologe, hatte bereits für den DED in der Pufferzone vom Nationalpark ein ähnliches Projekt mitgemacht und Bauern geschult. Er berichtete

Während der Schulung
über die guten Erfolge, die die Übergabe der Schweine an arme Familien hatte.
Er übernahm die Ausbildung der Frauen in Huong Tho. Er teilte sein Empfinden mit, dass diesem Projekt gleichfalls guter Erfolg beschieden sein wird, weil wir erstens mehr Ferkel übergeben und zweitens mehr für den Stall ausgeben. Im letzten Jahr waren 20% der Tiere in der Hitze des Sommers gestorben, weil für das geeignete Dach nicht genug Geld zur Verfügung stand. Drittens seien die Frauen weitaus motivierter, alles zu tun, was ihnen beigebracht und aufgetragen wird, denn sie wissen, dass eine solche Chance so schnell nicht wiederkommt.

Acht von 20 allein stehenden Frauen
in Huong Tho, denen wir helfen wollen
Überrascht war ich, als die Frauen von sich aus vorschlugen, ihnen nicht wie vorgesehen fünf, sondern nur drei Ferkel zur Auf- bzw. Zucht zu übergeben. Sie fürchteten, nicht genug Futter für die Tiere beschaffen zu können. Dafür könnten wir ja dann mehr Frauen helfen.
Es war eine muntere Diskussion und keineswegs nur eine einseitige Angelegenheit des Vortragenden. Ms. Ton Nu Thi Hien hat an der Schulung teilgenommen, um selbst geschult zu sein, wenn sie sozusagen die technische Abnahme der Schweinekoben wahrnimmt.
Herr Hien hat inzwischen alle Schweineställe abgenommen. Alle sind normgerecht gebaut. Nun warten die Frauen auf den 14.04.2006, wenn die Schweine aus Ai Tu kommen.

Gerd Willkommen
Erzhausen, am 06.04.2006
nach oben